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Feststellung der Pflegebedürftigkeit

Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz wird ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie ein neues Begutachtungs- und Einstufungsverfahren zur Feststellung von Pflegebedürftigkeit eingeführt. Bislang bezog sich Pflegebedürftigkeit vor allem auf körperliche Einschränkungen. Jetzt werden auch geistige und psychische Fähigkeiten stärker berücksichtigt. Dies führt vor allem für Menschen mit Demenz zu einer Verbesserung der Zugänglichkeit von Leistungen der Pflegeversicherung.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff bildet die Grundlage für die Einstufung in fünf Pflegegrade. Diese fünf Pflegegrade ersetzen zum 01.01.2017 die bisherigen Pflegestufen. Die Feststellung eines Pflegegrades richtet sich maßgeblich nach der vorhandenen Selbstständigkeit bzw. den vorhandenen Fähigkeiten. Im Vordergrund steht immer die Frage: Was kann der Mensch noch allein und wobei benötigt er personelle Hilfe?

Es gibt insgesamt acht unterschiedliche Module, von denen sechs bei der Bewertung des Pflegegrades berücksichtigt werden. In jedem Modul finden sich Unterpunkte, die jeweils mit einer bestimmten Punkteskala bewertet werden. Nachfolgend finden Sie die Übersicht der sechs Module des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs.

Die gewichteten Module im Überblick

Sechs Teilbereiche (Module) fließen gewichtet in die Berechnung des Pflegegrades ein.

Abbildung 1: Die gewichteten Module im Überblick (Quelle: MDK Nordrhein 2016)
Wie bereits erwähnt gibt es in jedem der oben abgebildeten Module wiederum Unterpunkte, die einzeln bewertet werden. Insgesamt werden so über 60 Einzelbewertungen vorgenommen. Hinzu kommen noch die Bereiche für außerhäusliche Aktivitäten sowie die Haushaltsführung, die aber nicht in die Bewertung einfließen. Sie dienen aber als Grundlage für eine ganzheitliche Beratung.

Von Punkten zu Pflegegraden

Jeder Unterpunkt wird bei der Begutachtung bewertet. Hierbei gilt grundsätzlich: Je höher die Punktzahl, desto schwerwiegender die Beeinträchtigung. Diese Bewertung erfolgt anhand einer vierstufigen Skala, die unterteilt ist in selbständig, überwiegend selbständig, überwiegend unselbständig und unselbständig.

Bei dem Modul 3 wird die Häufigkeit von auftretenden Problemlagen – auf einer Skala von 0 bis 3 – bewertet. Bei Modul 5 liegt der Blick auf der Häufigkeit von Hilfestellungen: hier wird gezählt wie oft jemand z.B. am Tag Hilfe bei der Einnahme von Medikamenten benötigt.

Die Summe aus jedem der sechs Module wird mit festgelegten Berechnungstabellen gewichtet, die gewichteten Punkte aller Module werden zu einem Gesamtergebnis addiert. Dieses Gesamtergebnis kann zwischen 0 und 100 Punkte liegen. Die Punktwerte verteilen sich auf den jeweiligen Pflegegrad nach festgelegten Werten. Die aufgeführte Tabelle gibt hier einen Überblick.

Ab 12,5 Punkten gilt der Begutachtete somit nach neuem Recht als pflegebedürftig und ihm stehen die entsprechenden Leistungen der Pflegeversicherung zu. Diese finden Sie in der Übersicht „Das Wichtigste zu den Leistungen im Überblick“. Weitere Informationen zu dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff finden Sie auf der eigens dafür angelegten Informations-Homepage des MDK/MDS (Medizinischer Dienst der Krankenkassen).

https://www.pflegebegutachtung.de/

PFLEGEGRAD PUNKTZAHL AUSMAß DER PFLEGENDBEDÜRFTIGKEIT
Kein Pflegegrad 0 bis unter 12,5 Punkte Keine Pflegebedürftigkeit
Pflegegrad 1 12,5 bis unter 27 Punkte Geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegegrad 2 27 bis unter 47,5 Punkte Erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegegrad 3 47,5 bis unter 70 Punkte Schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegegrad 4 70 bis unter 90 Punkte Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten
Pflegegrad 5 90 bis 100 Punkte Schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Das Wichtigste zu den Leistungen im Überblick

Um Leistungen der Pflegeversicherung in Anspruch nehmen zu können, müssen zunächst gewisse Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die pflegebedürftige Person muss für voraussichtlich mindestens sechs Monate in erheblichem Maße Hilfe benötigen.
  • Die pflegebedürftige Person muss vor der Antragsstellung bereits einige Zeit der Kranken-, und damit der Pflegeversicherung angehört haben (Vorversicherungszeit). Diese Zeit beträgt zwei Jahre. Bei Kindern ist die Vorversicherungszeit eines Elternteils entscheidend.

Sind diese Voraussetzungen sowie die Anforderungen des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes erfüllt, können verschiedene Arten von Leistungen in Anspruch genommen werden.

Pflegegeld

Übernehmen Sie als Familienangehörige oder Familienangehöriger die pflegerische Betreuung, erhält der / die Pflegebedürftige ein Pflegegeld. Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich nach dem Pflegegrad.

PFLEGEGRAD PFLEGEGELD PRO MONAT
(AB 01.01.2017)
Pflegegrad 1
Pflegegrad 2 316 €
Pflegegrad 3 545 €
Pflegegrad 4 728 €
Pflegegrad 5 901 €
PFLEGESACHLEISTUNG

Wird die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst erbracht, ist die Leistung der Pflegeversicherung eine sogenannte Sachleistung.

PFLEGEGRAD PFLEGESACHLEISTUNG PRO MONAT
(AB 01.01.2017)
Pflegegrad 1
Pflegegrad 2 689 €
Pflegegrad 3 1.298 €
Pflegegrad 4 1.612 €
Pflegegrad 5 1.995 €
KOMBINATION VON PFLEGEGELD UND PFLEGESACHLEISTUNG

Sie können auch das Pflegegeld und die Pflegesachleistung miteinander kombinieren, d. h. die Pflege wird auf mehreren Schultern verteilt. So können Sie sich die Pflege und die Betreuung mit einem ambulanten Pflegedienst teilen.

ZUSÄTZLICHER ENTLASTUNGSBETRAG

Ergänzend zu den oben genannten Leistungen erhält jeder Pflegebedürftige noch einen zusätzlichen Entlastungsbetrag. Der zusätzliche Entlastungbetrag ist zweckgebunden einzusetzen, er kann z.B. ergänzend für die Finanzierung einer Tages- oder Kurzzeitpflege oder für Alltagshilfen eingesetzt werden. Wird der Betrag in einem Monat nicht ausgeschöpft, kann er innerhalb eines Jahres übertragen werden.

PFLEGEGRAD ENTLASTUNGSBETRAG PRO MONAT
(AB 01.01.2017)
Pflegegrad 1 – 5  125 €

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